
Dieser Beitrag erschien am 13.3.2008 auf Gegen den Strom auf blog.de. Da ich Grund zur Annahme habe, daß mein Blog dort kurz vor der Löschung steht, transferiere ich alle Beiträge hierher.
So bezeichnete der bildungspolitische Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Özcan Mutlu, das vorgestrige Skandalurteil des Berliner Verwaltungsgerichtes. Die Berliner Morgenpost berichtet über die gereizte Stimmung in Berlin:
Nicht nur der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Sascha Steuer, sieht durch den Urteilsspruch die Neutralität der Schulen in Gefahr. In den Augen seines Fachkollegen von den Grünen, Özcan Mutlu, ist das Urteil schlicht “Gift für die Integration”, das “die Kluft zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen in dieser Stadt vertiefen statt Gräben zuschütten” werde. Breites Unverständnis kam auch von Eltern.
Sogar türkischen Elternvertreter geht dieses Urteil zu weit:
Safter Cinar etwa, Vorsitzender des Türkischen Elternvereins, will eine solche Regelung, die sich auf die grundgesetzliche Freiheit zur Religionsausübung beruft, nur akzeptieren, wenn im Gegenzug für muslimische Schülerinnen dann auch ausnahmslos die Schulpflicht beim Sexualkunde- und Schwimmunterricht gelte.
Würde doch im Falle der Urteilsbestätigung ein riesiger Investitionsbedarf auf die ohnehin finanziell ausgehungerten Schulen zukommen:
In Zeiten, da die Sparpolitik in der Hauptstadt beispielsweise zum Schließen von Schulbibliotheken oder Cafeterien führt oder sogar dazu, dass der Zugang zu den Schülertoiletten aus Angst vor kostenträchtigtem Vandalismus beschnitten wird, dürfte die Einrichtung eigener muslimischer Beträume, sollte der Fall Schule machen, schwer zu vermitteln sein
Natürlich bleibt es fraglich, ob das Urteil hält, ging doch die Schulpolitik der letzten Jahre in eine völlig andere Richtung:
Doch nicht nur der Mangel, der in Berlin regiert, auch die religionspolitische Linie in der Stadt stünde einer solchen Entwicklung diametral entgegen. Kruzifixe mussten in den Schulen der Hauptstadt nicht erst verboten werden. Doch die Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichts als Pflichtfach zugunsten des weltlichen Ethikunterrichtes ist immer noch umstritten.
Aber in Zeiten, in denen Regierungen sich von Terroristen erpressen lassen, scheint selbst eine Urteilsbestätigung möglich.
Und dann könnten uns dieses relativ harmlose Szenaria blühen:
“Was sollen wir tun, wenn an einer Schule in Neukölln 400 Muslime in der Pause beten wollen? Die Turnhalle räumen?”, fragt Wolfgang Harnischfeger, Vorsitzender der Vereinigung Berliner Schulleiter in der Erziehungsgewerkschaft GEW und Direktor der Beethovenschule im Stadtteil Lankwitz.
Oder aber auch jenes schon weitaus gefährlichere:
Müssen wir gar Angst haben, dass solche Beträume an Schulen - wie in England geschehen - insgeheim zu Gründungsorten für islamistische Vereinigungen werden?
Es bleibt zu hoffen, daß das Gericht Bildungssenators Zöllners warnende Worte hört:
Schule ist ein Ort von Erziehung und Bildung in einem weltanschaulich und religiös neutralem Rahmen, sagte Senator Zöllner, “das gilt es sicherzustellen.”
Dieser Beitrag erschien als Gastbeitrag bei Politically Incorrect. Vielen Dank für diese Ehre.
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